Problematisches Spielen

Für viele ist das Glücksspielen ein Freizeitvergnügen, welches sie im Griff haben. Andere hat umgekehrt das Glücksspiel im Griff: Sie werden abhängig und ruinieren sich und ihre Familien.
Diese Menschen haben ein problematisches Spielverhalten entwickelt, das gravierende negative soziale und finanzielle Konsequenzen beim Individuum und im Umfeld, also vor allem für die Familie oder Beziehung, aber auch den Beruf nach sich ziehen kann. Betroffene und Angehörige täuschen sich oft zu lange über die wahre Situation hinweg, anstatt frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Problemlast

Aufgrund der gemachten Studien geht man in der Schweiz von knapp 76’000 Personen aus, die einen pathologischen oder problematischen Konsum betreiben. Personen, die problematisch oder pathologisch spielen, verursachen soziale Kosten, welche massgeblich von Lebenspartnern und Familien, aber auch von Arbeitgebern und der gesamten Gesellschaft getragen werden. Gemäss der Studie des Büros für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS, 2009) betragen die jährlichen direkten sozialen Kosten 8.6 Millionen Franken (nur durch Glückspiel in Casinos) und werden zu 42% durch die öffentliche Hand (Bund, Kantone, Gemeinden) getragen. Die indirekten sozialen Kosten (Produktionsausfälle etc.) belaufen sich jährlich auf 61.1 Millionen Franken (BASS, 2009). Diese werden zu zwei Dritteln von den Arbeitgebern getragen.
Im Kanton Zürich geht man von gut 16’000 süchtigen Spielerinnen und Spielern aus. In der Stadt Zürich beläuft sich die Schätzung ohne die Berücksichtigung der ungleichmässigen Verteilung zwischen Stadt und Land auf knapp 4’500, in der Stadt Winterthur auf ca. 1’200 Personen.
Der Bruttospielertrag der Schweizer Casinos betrug 2017 681.6 Millionen Franken. Welche Summen in die weltweiten Onlineangebote gesteckt werden, ist unbekannt. Die Spielbankenabgabe an den Bund betrug 2017 272.4 Millionen Franken und an die Kantone 45.3 Millionen Franken.

Quellen:

  • Kilian Künzi, Tobias Fritschi, Thomas Oesch, Matthias Gehrig, Nora Julien, 2009, Soziale Kosten des Glückspiels in Casinos – Studie zur Erfassung der durch die Schweizer Casinos verursachten sozialen Kosten, im Auftrag der ESBK
  • Schweizer Casino Verband, 2017, Jahresbericht
  • Yvonne Eichenberger, Margret Rihs-Middel, 2014, Glückspiel: Verhalten und Problematik in der Schweiz
  • Swisslos, 2018, Teilnahmebedingungen Internet-Spiele
Wann ist spielen problematisch?

Wenn das Glücksspiel in den Mittelpunkt des Lebens rückt und die Kontrolle über die Intensität des Spiels verloren geht, handelt es sich um problematisches Spielen. Süchtige Spieler oder Spielerinnen spielen nicht mehr zum Spass und weil sie Lust dazu haben, sondern sie können nicht anders. Das Spielen beherrscht den persönlichen Alltag. Der Selbsttest zur Glücksspielsucht kann Aufschluss darüber geben, ob Sie gefährdet sind.

Suchtentwicklung

Wie erkennt man Glücksspielsucht?

Folgende Anhaltspunkte können Angehörigen und Fachpersonen helfen, ein problematisches Spielverhalten zu erkennen. Die betroffene Person

  • spielt grössere Summen, als sie sich zu verlieren leisten kann
  • spielt länger und häufiger, als sie es sich leisten kann
  • hat Geldsorgen
  • verharmlost das Problem
  • reagiert bei Spieleinschränkungen oder Ansprechen des Spielverhaltens uneinsichtig bis aggressiv
  • belügt die Familie und andere Personen im Umfeld.

Die Suchtentwicklung bei den stoffungebundenen Verhaltenssüchten, wozu die Glücksspielsucht gehört, verläuft ähnlich wie die stoffgebundene Suchtenwicklung (Alkohol, Tabak, illegale Substanzen).

Spiel mit Genuss

Das Spiel ist geprägt von Spass und Unterhaltung – der jederzeit mögliche hohe Gewinn sorgt für Spannung und Genuss.
Am Anfang einer Spielerkarriere steht manchmal ein grosser Gewinn, der das Selbstwertgefühl stärken kann. Obwohl dieser Gewinn zufällig passierte, wird er als Folge des eignen Handelns interpretiert.

Problematisches Spielverhalten

Tatsächliche Verluste werden beschönigt und der Spieler oder die Spielerin glauben weiterhin daran, zu gewinnen. Der Einsatz wird gesteigert, um die Gewinnwahrscheinlichkeit vermeintlich zu erhöhen und vorangehende Verluste zu decken. Lügen und Rechtfertigungen bis zur Straffälligkeit dienen zur Mittelbeschaffung, die meist nur dem Zweck dient: Weiterspielen zu können.
Der Spieler oder die Spielerin entfernt sich zusehends von Familie und Freunden, um den Vorwürfen und seinem/ihrem Schuldbewusstsein auszuweichen.

Pathologisches Spielverhalten

Die Überzeugung, mit dem Spielen aufzuhören, sobald die Schulden zurückbezahlt sind, wird aufrechterhalten. Das Spielen kann nicht mehr kontrolliert werden und wird zum alleinigen Lebensinhalt. Abgelöschtheit und Überaktivität sowie physische Erschöpfung bis zu Suizidalität prägen diese Phase. Der Verlust von Beziehungen, Arbeit, Wohnung und sozialer Anerkennung sind die Folge.

Folgen exzessiven Glücksspielens

Die Folgen exzessiven Glücksspielens sind in ihrer Kombination und Auswirkungen nicht zu unterschätzen:

  • Ruin, Verschuldung, Beschaffungskriminalität
  • Konflikte in Partnerschaft, Familie, an der Arbeit bis zur sozialen Isolation
  • Realitätsverlust, depressive Verstimmung, Ängste, Stress
  • steigender Konsum von Alkohol, Tabak und Medikamenten
  • Entwicklung einer Abhängigkeit
  • Erhöhtes Suizidrisiko